Symbiotic Web
Auf dem Weg von einer militärischen Vision hin zu dem heutigen omnipräsenten Allesfresser hat das Internet eine erstaunliche Entwicklung durchlebt. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit, die wohl von nur wenigen anderen technischen Innovation überboten werden kann, ist es durch verschiedenen Evolutionsstufen gelaufen und bietet heute ein Bild, welches den Entwicklern der ersten Stunde wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen wäre.
Es ist jedoch kaum verwunderlich, dass das Internet eine solch rasante Entwicklung genommen hat. Ein Medium, welches eine derart große Zahl von Menschen vernetzt und zudem diesen einen aktiven Gestaltungsspielraum lässt wie kein zweites, dem bleibt vielleicht gar keine andere Vorbestimmung, als sich evolutionär und beschleunigt zu entwickeln.
Usenet
Das Usenet (Wikipedia: Usenet) war die erste Sozialmaschine des Internet. Die Teilnehmer nutzen es für die Lösung von Problemen der realen Welt: Tauschbörsen, Fragen nach Hilfe, Anbieten von Dienstleistungen, Wohnungssuche, Kommunikation, Organisation von Gruppen. Doch blieb es einer verhältnismäßig kleinen Gruppe vorbehalten. Die Bedienung war und ist doch sehr technisch und von privaten Internetzugängen konnte in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wohl kaum die Rede sein.
World Wide Web
Eben dieses Problem der Überwindung der technischen Hürden versucht Tim Bernes-Lee Ende der 80er Jahre zu lösen und entwickelte ein Hypertextsystem, HTML. Der erstaunliche Effekt war, dass der Teil des “neuen Internet”, der am meisten die Aufmerksamkeit auf sich zog, nun nicht erweiterte Formen sozialer Kommunikation war. Kommerzielle und distributive Plattformen kamen und gingen in den 90er Jahren; einige etablierten sich und gehören heute zum Teil zu den größten Firmen der Welt.
Es könnte sein, dass der große Hype der Jahrtausendwende und das Platzen der Dotcom-Blase (siehe auch: Interblase 2.0) zum Teil dadurch verschuldet wird, dass die Fokussierung zu sehr auf der Distribution und zu wenig auf kommunikativen oder gar kollaborativen Plattformen lag. Dieses allein den Betreibern zuzuschieben ist jedoch falsch. Das Internet wurde ein internationaler Massenmarkt. Die zahlreichen und jeden Tag neuen Teilnehmer mussten ebenfalls erst lernen, wie und wozu sich dieses Medium am besten nutzen lässt. Eben ein evolutionärer Weg.
Web2.0
Noch sehr jung und doch wirkt dieses Schlagwort schon ziemlich abgedroschen. Vielgenutzt, vielleicht sogar abgenutzt. Es beschreibt ein Konglomerat aus einem bestimmten Umgang mit den Webtechnologien und Inhalten und Plattformen. Im Kern scheinen sich jedoch einige Themen zu etablieren.
- Websites müssen sich nicht “anfühlen” wie Websites.
- Es besteht der Wunsch nach tatsächlicher Kommunikation, Partizipation und Kollaboration
- Menschen wollen sich “im Web” präsentieren und Aufmerksamkeit erlangen
Jede der sogenannten Web2.0 Plattformen bewegt sich im Kontext dieser zugegebenermaßen unscharfen Wolke. Beispiele sind plazes, flickr, qype, del.icio.us, last.fm und mnemo.
Ob diese Plattformen (langfristig) erfolgreich sein werden, ist an dieser Stelle nicht interessant. Viel spannender erscheint der Gedanke, dass das Web damit zu seinem Wurzeln zurückkehrt. Menschen benutzen es, Gleichgesinnte zu finden, konkrete Probleme der realen Welt zu lösen, sich zu präsentieren…
Cyperspace?
Der Gedanke von einer parallelen Realität ist fast vollständig von der Diskussionsfläche verschwunden. Vielmehr ist das Netz heute eine sinnvolle Erweiterung des Alltags. Eine Sache, die fast so banal klingt wie elektrischen Strom zu benutzen. Doch die Veränderungen die beide, der Strom und die in Realzeit vernetzte Gesellschaft mit sich gebracht haben und noch mit sich bringen, sind exorbitant.
Der Hype ist tot, es lebe der Hype
Bei der Beobachtung der Inhalte des Webs ist mit der temporären Fokussierung auf bestimmte Themen immer wieder festzustellen, dass die Benutzer des Webs einigen Neuerungen sehr euphorisch gegenübertreten. Kleine und große Hypes jagen sich gegenseitig die Aufmerksamkeit ab und die Diskussion um das “Web2.0″ artet immer wieder ebenfalls in adrenalisierte Debatten aus. The Sky is the limit.
Tritt man jedoch zurück und versucht zwischen den ganzen Hypes eine Tendenz zu erkennen; was ist erfolgreich, was *rockt* langfristig, wo ist die Tonart zwischen den nach Kondratjew (Wikipedia: Kondratjew-Zyklen) anmutenden Kurven, so erscheint mir der Begriff der Symbiose der zu sein, der am besten zu der Entwicklung des Webs passt und der auch für die Zukunft eine längerfristige Aussagekraft haben dürfte.
Symbiotic Web
Was meint der Begriff eines symbiotischen Netzes? Symbiosen sind Gemeinschaften, die im besten Fall von zwei Parteien zum gemeinsamen Wohle eingegangen werden. Symbiotisch bedeutet, etwas völlig zu verinnerlichen. Wenn eine Gesellschaft mit einer Technologie eine Symbiose eingeht, so nutzt sie diese für die Abbildung und Realisierung von einigen sie erhaltenden, infrastrukturellen Funktionen. Funktionen die sich in diesem Fall weitestgehend unter dem Schlagwort der Kommunikation zusammenfassen lassen.
Wenn das Web aber zugleich einen evolutionären Charaker hat, so ist ebenfalls mit der Entwicklung neuer Formen der Kommunikation zu rechnen. Den Anfang hat vielleicht die Möglichkeit zur “Asynchronizität in Realzeit” (von Kommunikation) gemacht. eMail, Instant Messaging und Shoutboxes seien als Beispiele genannt.
Zukunfsprognosen sind immer heikel. Dem Begriff des symbiotischen Webs nach zu gehen, bedeutet, dass sich das Web aus seinem klassischen Medium, dem PC, löst. Das ist heute schon der Fall und die damit verbundene Diskussion vom “ubiquitous Computing” (siehe: Ubiquitous Computing) ist auch nicht neu. Doch zur Zeit ändert sich die Infrastruktur, über die auf das Internet zugegriffen wird.
Auf der einen Seite gibt es kommerzielle Anbieter, die zu verhältnismäßig günstigen Preisen hoffentlich bald (europaweit) flächendeckend einen breitbandigen Funkzugang bieten. Auf der anderen Seite lässt die Zunahme von Accessspoints, zumindest in Ballungsgebieten, hoffen, dass es hier bald “urbane” und vor allem private Netze und Netzzugänge geben wird.
Die dritte Seite der Medaille sind in diesem Kontext Inhalte. Ein Medium wie das Internet überall nutzen zu können, bedeutet auch, es zu jedem Zweck zu nutzen. Eine mit dem Internet symbiotisch verwachsene Gesellschaft, die der obigen Prognose der Übertragung Teile ihrer Infrastruktur auf ein Medium realisiert, wird auch Teile der Selbstbestimmung, der Verwaltung, des Meinungsbildungsprozesses (siehe: Deliberative Verfahren der Willensbildung) in diesem Medium abbilden.
Erste Ansätze sind Websites wie sie-schreiben-dir.de und die Diskussion zum Citizen Think Tank beim letzten Webmontag in Köln.











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[…] Die öffentliche Meinung steckt noch mitten im von Horx “Verdauungsprozess” genannten Vorgang der Assimilation der “neuen” Technologien; oder besser, in der Austestung und Assimilation der distributiven, kommunikativen und kollaborativen Möglichkeiten dieser Technologien (siehe auch: Readers Edition, Symbiotic Web). Designer können mit ihren Methoden helfen, diesen Vorgang einfacher, bewußter und überschaubarer zu machen. […]
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[…] Die irgendwie erloschene “Cyperspace-Debatte”, die eine parallele Realität zum “Meatspace” prognostizierte, ist zwischen den Zeilen dieser Dokumentation noch lebendig. Aus heutiger Sicht spricht man, geprägt vom Pragmatismus eher von einer Erweiterung des Lebens- und Arbeitsumfeldes durch die Technologie (siehe auch: Symbiotic Web). […]